COR portraits » Neugeborenenfotografie, Babyfotografie, Kinderfotografie, Familienfotografie, Paarfotografie und Businessfotografie aus Wuppertal

Masthead header

TIPP: Wie man unscharfe Hintergründe fotografiert

Ein unscharfer, verschwommener, weicher Hintergrund (in Fotografensprache: das Bokeh) sorgt dafür, dass nichts im Hintergrund vom abgebildeten Motiv ablenkt, und das ist gerade bei Portraits häufig gewünscht! Deswegen werde ich oft danach gefragt, wie ich diese unscharfen Hintergründe hinbekomme, und oft habe ich schon gehört: “Boah, Du hast so eine gute Kamera, die macht so tolle unscharfe Hintergründe!” Jetzt kommt die gute Nachricht: Es ist nicht nur meine Kamera, die die Hintergründe zaubert, sondern viel eher das Wissen um folgende 4 Zusammenhänge, das ganz vielen Kameras wunderschöne, unscharfe Hintergründe entlocken kann. Soll ich die 4 Geheimnisse lüften?

Geheimnis 1: Abstand zum Hintergrund

Der erste Zusammenhang, der Dir zu einem unscharfen Hintergrund verhilft, ist der richtig gewählte Abstand zum Hintergrund. Es gilt: Je größer der Abstand Deines Motivs zum Hintergrund, umso unschärfer wird der Hintergrund auf Deinem Foto abgebildet! Also stelle Deine Kinder nicht direkt vor die Hecke, wenn Du nicht jedes einzelne Blatt der Hecke abbilden willst, sondern sorge dafür, dass zwischen Deinem Motiv und dem Hintergrund ruhig mehrere Meter Platz sind. Das allerbeste an diesem ersten Tipp ist, dass er völlig unabhängig von Deiner Kamera funktioniert! Auf den Beispielbildern unten sind übrigens alle Einstellungen völlig identisch, das einzige, was ich gemacht habe, ist den Teddy ein paar Meter vom Hintergrund weg zu setzen. Das macht ganz schön viel aus, oder?

Verschwommener Hintergrund Fotografie Fototipp Anleitung Fotokurs unscharfer Hintergrund Bokeh Geheimnis 2: Abstand zum Motiv

Neben dem Abstand zum Hintergrund hat auch Euer Abstand zum Motiv eine Auswirkung auf die Schärfe des Hintergrunds! Seid Ihr ganz nah dran an Eurem Motiv, wird der Hintergrund weniger scharf, als wenn Ihr aus einer größeren Distanz fotografiert. Auch das seht Ihr auf den Fotos unten ziemlich deutlich. Ich habe wieder nichts verändert, außer dass ich näher auf den Teddy zugegangen bin – und Ihr seht, wie sich dadurch der Hintergrund verändert, wenn Ihr die beiden Bilder vergleicht. Faszinierend, oder? Dieser Tipp lässt sich auch mit jeder Kamera umsetzen.

Unscharfer Hintergrund verschwommener Hintergrund Fotografie Fototipp Tiefenschärfe Schärfentiefe Blende Bokeh

Geheimnis 3: Wahl der Brennweite

Nachdem wir bisher nur an unserem Bildaufbau gebastelt haben, um einen unscharfen Hintergrund zu bekommen, kümmern wir uns jetzt um die Kamera. Von allen Einstellungen, die man insbesondere bei digitalen Spiegelreflexkameras vornehmen kann, haben (zum Glück!) nur zwei einen Einfluss auf die Schärfe des Hintergrunds. Eine davon ist die Brennweite des Objektivs. Es gilt: Je größer die Brennweite, umso unschärfer der Hintergrund. In der Praxis heisst das: Je weiter Du reinzoomst, egal, ob mit einer Kompaktkamera oder dem Zoomobjektiv Deiner Spiegelreflexkamera, umso unschärfer wird der Hintergrund. Das sieht man wieder an meinen Teddybildern: Bei einer Brennweite von 50 mm ist der Hintergrund schärfer als bei 135 mm, bei identischen sonstigen Einstellungen. Der Effekt kann noch deutlich stärker sein als hier gezeigt, wenn man z.B. eine Brennweite von 16 mm mit 300 mm vergleicht… diese beiden hatte ich aber gerade nicht zur Hand…

Unscharfer Hintergrund verschwommener Hintergrund Fotografie Fototipp Tiefenschärfe Schärfentiefe Blende Bokeh

Geheimnis 4: Einstellung der Blende

Über die Einstellung der Blende kann man noch mal einen großen Beitrag zum unscharfen Hintergrund leisten. Wenn Du noch nicht damit vertraut bist, komplett manuell zu fotografieren, stellst Du an Deiner Spiegelreflexkamera am besten die Zeitautomatik ein (AV bei Canon und A bei Nikon). Dann kannst Du die Blende selbst bestimmen, und Deine Kamera wählt für Dich die dazu passende Verschlusszeit. Du solltest eine möglichst große Blende wählen, um einen unscharfen Hintergrund zu bekommen. Eine große Blende verbirgt sich hinter einer kleinen Blendenzahl, das heisst, f/1.4 und f/2.0 und auch f/3.5 (hier fangen die meisten Kit-Objektive an) bezeichnen große Blenden (die unscharfe Hintergründe machen), wohingegen f/11 oder gar f/22 dann zum Einsatz kommen, wenn man wirklich alles im Bild scharf haben möchte (z.B. in der Landschaftsfotgrafie).

Wenn Du mit großer Blende fotografierst, um den Hintergrund möglichst verschwommen darzustellen, ist es ganz wichtig, dass Du regelmässig die Schärfe Deines Motivs überprüfst… es kann bei sehr großer, offener Blende nämlich leicht passieren, dass die Unschärfe schon an Deinem Motiv beginnt, und z.B. nur ein Auge Deines Kindes scharf ist, weil das andere Auge etwas weiter weg oder näher dran an der Kamera ist und damit auf einer anderen Schärfeebene liegt. Das kann gut aussehen – muss es aber nicht, deswegen solltest Du dann ggf. die Blende kleiner wählen und auf etwas Unschärfe im Hintergrund verzichten.

Ein Geheimnis vieler Profifotografen sind übrigens Objektive, mit denen man sehr offenblendig, also z.B. mit f/1.4 fotografieren kann, denn selbstverständlich erzielt man damit unschärfere Hintergründe als mit einem Kit-Objektiv mit einer Blende von 3.5 oder 4.0. Wenn Du ein Fan von unscharfen Hintergründen bist und noch nach einem Weihnachtsgeschenk für Dich selbst suchst, wäre ein solches Objektiv mit extra großer Blende vielleicht eine gute Idee. Es gibt sie z.B. als Canon Festbrennweite mit 50 mm und einer Blende von bis zu 1.8 schon für ungefähr 100 Euro.

Wenn Du mit einer Kompaktkamera fotografierst, kannst Du Dir mit der Portrait-Einstellung behelfen, das kommt den oben beschriebenen Einstellungen an einer Spiegelreflexkamera am nächsten!

Unscharfer Hintergrund verschwommener Hintergrund Fotografie Fototipp Tiefenschärfe Schärfentiefe Blende Bokeh

Hast Du alles verstanden? Wenn ja, dann hilft Dir mein kleiner Merkzettel hoffentlich weiter, um im richtigen Moment auch an alles zu denken!

Unscharfer Hintergrund verschwommener Hintergrund Fotografie Fototipp Anleitung Tipp Erklärung Tiefenschärfe Schärfentiefe Blende Bokeh

Am Ende noch eine Warnung: Du wirst mit meiner Anleitung ohne Probleme unscharfe Hintergründe zaubern! Aber: Unscharfe Hintergründe passen nicht zu jedem Bild. Ohne Zweifel sehen sie super aus, aber häufig ist es auch schade, wenn wichtige Details in Unschärfe verschwimmen… Deswegen rate ich Dir, sie wohldosiert einzusetzen, und zwischendurch z.B. Euren Garten auch als scharfen Hintergrund festzuhalten, der später die Erinnerung Deiner Kinder an tolle Sommernachmittage im Grünen wieder aufleben lässt!

Dir ganz viel Spaß beim Fotografieren!